Nachhaltig abwaschen – ich und mein Luffaschwamm

Ich muss gestehen: Ich bin ein bissl verliebt. In meinen Abwaschschwamm. Der ist nämlich aus Luffa!

Zum Hintergrund. Wir waschen zuhause immer mit der Hand ab. Während die Freundin am liebsten Tücher nutzt, bin ich der klassische Schwamm-Typ. Ich kann mit einem Lappen einfach nicht harmonisch zusammenarbeiten.

Klassische Abwaschschwämme – typische Wegwerfprodukte

Die klassischen Schwämme, die es so gibt, haben aber einen riesen Nachteil: Sie sind aus Plastik, werden unter Einsatz von Chemikalien meistens irgendwo am Arsch der Welt aus Erdöl hergestellt und am Ende als Müll meistens nur verbrannt. Zudem ist der Dreck auch noch ziemlich billig – das typische Wegwerfprodukt eben.

Selbst die Öko-Spülschwämme von Sonett haben immer noch einen gewissen Anteil Kunststoff. Auch wenn es recyceltes PET ist – ich will so wenig Plastik wie möglich in meinem Leben. Ich habs auch mit den vollständig verrottbaren Schwammtüchern von memo probiert – gefaltet und zusammen genäht, um eine Art Schwammform zu bekommen. Hat nicht wirklich funktioniert. Auch die sogenannten Naturschwämme sind keine Alternative – Schwämme sind Tiere, und der gewonnene Badeschwamm ist quasi ihr Skelett. Auf was für morbide Ideen die Menschheit doch gekommen ist…

Daher bin ich schon lange auf der Suche nach sinnvollen Alternativen – und seit einiger Zeit sehr glücklich mit einem Luffaschwamm.

Luffa – was man aus Pflanzen so alles machen kann

Wunderschön, oder?

Wunderschön, oder?

Luffaschwämme sind Pflanzen, genauer gesagt: Kürbisgewächse.
Der Schwammkürbis hat nämlich ein wunderbares Innenleben. Getrocknet und gereinigt ergibt er einen perfekten Spülschwamm. Sehr gut sehen kann man das übrigens im Wikipedia-Artikel dazu.

Ich habe meinen Schwamm bei memo gekauft. Beim Schreiben dieses Beitrags ist mir dann auch aufgefallen, dass es den Schwamm dort prompt schon wieder nicht mehr gibt. Ganz toll. Muss ich mich wohl doch nach neuen Bezugsquellen umsehen. Aber fürs erste habe ich von der ersten Bestellung noch was da, also… durchatmen.

Wie auch immer. Mein erster Luffaschwamm begleitet mich jetzt schon ein gutes halbes Jahr. Er ist derb genug, um auch festere Speisereste abrubbeln zu können, und gleichzeitig weich genug, um empfindliches Geschirr nicht zu zerkratzen. Da steht er seinen Billigmüll-Kollegen in nichts nach. Der einzige Nachteil: Durch seine offenere Struktur taugt er nicht so gut dazu, Flächen abzuwischen, z.B. den Herd. Aber dieser Aufgabe kann sich ja dann wieder ganz ausgezeichnet der Küchenlappen widmen.

Dabei weiß ich natürlich, dass diese Beziehung nicht ewig halten kann. Jeder Spülschwamm macht im Laufe seines Lebens eine ganze Menge mit: heißes Wasser, scharfe Klingen, kratziges Angebranntes. Und Woche um Woche wird der Schwamm dann schlapper, zerfetzter, und verliert Fetzen um Fetzen. Aber dank des Luffakürbis kann ich nun endlich beruhigt sagen: „Tschüss, kleiner Luffaschwammfetzen, machs gut, viel Spaß auf deinem Weg ins Meer.” Oder wohin auch immer Schwammfetzen gelangen. Auf keinen Fall wird er die nächsten Jahre irgendwo die Umwelt verschmutzen und Tieren die Bäuche füllen, ohne sie satt zu machen.

Ein Fetzen allein macht noch keinen Unterschied

Da drängt sich vielleicht die Frage auf: Warum macht der sich eigentlich so einen Kopp um so einen klitzekleinen Fetzen Abwaschschwamm? Tja, ganz einfach: Das muss man hochskalieren. In Deutschland gibt es gut 40 Millionen Haushalte. Laut Statistik haben 67% davon eine Spülmaschine, also im Umkehrschluss waschen ungefähr 13 Millionen Haushalte mit der Hand. Nehmen wir an, dass nur jeden zweiten Tag abgewaschen wird, und dass nur bei jedem dritten Abwasch ein Stückchen Schwamm abgeht. Dann sind das immer noch zwei Millionen Plastikschwammstückchen, die jeden Tag in den Abfluss gespült werden. Sicherlich ist meine Rechnung nicht perfekt, aber sie verdeutlicht auf jeden Fall die Dimensionen des Problems. Und Abwaschschwammfetzen sind ja beileibe nicht das einzige Problem, das wir haben.

Wie immer gilt: Es gibt tausende Möglichkeiten, etwas zu verändern, anders und besser als bisher zu machen. Luffa statt Plastik ist eine davon.

 

Außerdem ist das mal wieder ein schöner Beitrag für EiNaB, die nachhaltige Blogparade.  🙂

 

21 Antworten zu “Nachhaltig abwaschen – ich und mein Luffaschwamm”

  1. Fjonka

    Luffaschwamm also…
    ich laboriere ja auch schon länger rum und konnte mich weder mit dem Sonett-Schwamm anfreunden (Lebensdauer: extrem kurz) noch mit „Lappen plus Stahlwolle“ (so ein Spülschwamm ist eben „sinnvoll dazwischen“) und hab letztlich doch wieder Wegwerfschwämme gekauft.
    Luffa werde ich mal testen, irgendwo kriegt mans doch hoffentlich…. und wenns beim Kosmetikbedarf ist (da hatte ich Luffa eh bisher verortet)

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    • Fup

      Wenn du eine schöne Quelle für sauber produziertes Luffa findest, bin ich sehr dankbar für eine Rückmeldung hier.

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      • Fjonka

        „Sauber produziertes Luffa“ – hast Du dazu denn schon etwas recherchiert? Die weiten Wege sind natürlich eines – aber braucht’s für Luffa Pestizide und Co? Werden dafür Wälder gerodet? Oder Kinder zum ernten geschickt? Oder meinst Du mit „sauber“ noch etwas ganz anderes als das?

        Ich habe zum letzten Geburtstag eine Luffa geschenkt bekommen, das fiel mir beim nächsten duschen auf und ein – denn ich kannte die bisher nur unter „Pflege und Kosmetik“ – und ich hab sie nur als Unterlage fürs feste Haarshampoo benutzt, weil ich sie zum duschen schlicht nicht brauchen konnte. Jetzt werde ich mit der testen.

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        • Fup

          Nee nee, ich meine genau das. Es gibt zwar Luffa auch bei Bio-Shops, und dort wird auch überall darauf hingewiesen, wie umweltfreundlich die sind, da Luffa keinen Müll erzeugt. Aber ich habe nirgendwo etwas zu Produktionsbedingungen gefunden, außer ganz kurz bei Utopia: „Luffa-Schwämme zum Beispiel sind umweltverträglicher, da sie sich schneller abbauen, wenn sie im Müll landen. Versichere dich außerdem, dass die Schwämme aus Schwammfarmen stammen und nicht aus einem Ökosystem herausgerissen wurden.” Tja, versichere dich… Ich werde wohl ein paar der besagten Shops mal anschreiben müssen.

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          • Fjonka

            Es wäre toll, wenn Du die Ergebnisse in einem neuen Bericht mitteilen könntest 🙂

  2. Wölkchen

    Theoretisch kann man die doch sogar selber anbauen, oder? Die Frage ist, wie das mit dem Trocknen geht. Vielleicht gehe ich mal auf die Suche in den Tefen des Internets.

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    • Fup

      Naja, laut Wiki wachsen die in den sonnigen, heiß-feuchten Tropen. Keine Ahnung, ob die auch bei uns gedeihen würden. Wäre natürlich ziemlich cool und noch mal ein ordentlicher Öko-Bonus, wenn man die einfach ausm eigenen Garten holen könnte.

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  3. Marlene

    Hallo Fup,
    deine Hochrechnung auf ganz Deutschland finde ich super. Was so ein paar Cent für einen 10er Pack Schwämme so anrichten kann 🙁 Hab davon noch Altlasten rumliegen. Seit ich aber in Dänemark gewohnt habe, dem Land der Spülbürsten, nehme ich jetzt nur noch Holzspülbürsten mit Wechselköpfen. Wechseln muss man zum Glück auch nicht oft. Man muss sie aber gut trocknen lassen.
    Viele Grüße und Danke fürs Verlinken bei EiNaB!
    Marlene

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    • Fup

      So eine Spülbürste haben wir auch mal probiert, die hat sich aber leider relativ schnell gespalten. Klar, ist ja Holz. Vlt. haben wir auch einfach Pech gehabt, dass in dem Holz schon ein kleiner Riss war, oder einfach nicht gut genug beim trocknen lassen.

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      • Fjonka

        Ich glaube, das kannst Du getrost nochmal versuchen. Ich benutze die auch schon jahrelang und hatte dies Problem noch nie. Da hast Du wohl Pech gehabt!
        Allerdings bin ich prinzipiell eher Schwamm-Nutzerin, daher das Interesse an der Luffa.

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  4. ak-ut

    danke dir für diesen tipp !!! ich suche auch schon seit längerem nach einer alternative, denn ohne spülmaschine ist der schwammverbrauch nicht gerade gering.
    lg anja

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    • Fup

      Oh ja, ich habe in meinem bisherigen Leben auch schon so manche Plastikschwämme verschlissen… Schön, wenn sich sowas verbreitet. 🙂

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  5. Maria

    Hallo!

    Ich habe selbst genähte Abwaschlappen und dazu einen Edelstahlschwamm, der echt extrem langlebig ist. Ursprünglich hatte ich selbst Schwämme gestrickt bzw. gehäkelt, die waren aber teilweise nicht hartnäckig genug, das wäre sonst die perfekte Lösung für mich gewesen.

    Bei Luffa habe ich zu wenig Ahnung, wo das wirklich herkommt und werde ich gleich einmal dazu recherchieren. Danke für die Anregung!

    lg
    Maria

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    • Fup

      Ich habe Redecker mal angeschrieben, wo die ihr Luffa herkriegen. Dann muss ich auch mal schauen, ob ich auch noch andere Shops anfrage. Endlose Transportwege sind natürlich hässlich. :/

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  6. Nicole

    Vielen Dank für die tolle Idee mit Luffa! Darauf war ich auch noch nicht gekommen.
    Ich weiß dass der Ralf vom Selbstversorgerkanal http://www.neulichimgarten.de/blog/ in seinem Garten wenigsten eine Luffapflanze angebaut hat, nur wie es ausging weiß ich leider noch nicht. Botanisch ist das Gewächs wie eine Gurke zu betrachten soweit ich weiß, eigener Anbau sollte also machbar sein.

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  7. Mella

    Hallo ihrs 🙂
    Gibts bezüglich der Shop Frage (Wo bekommt man eine Luffa Gurke her, die „sauber“ produziert wurde) Neuigkeiten? Ich freue mich über Infos!
    Liebe Grüße und Danke im Voraus 🙂

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    • Fup

      Nee, leider nicht. Seit diesem Beitrag reichen meine Luffa-Vorräte noch, und einen neuen kleinen Mitbewohner haben wir jetzt auch hier. Seitdem ist irgendwie gar keine Zeit mehr nebenbei übrig. 😀 Der letzte Beitrag hier ist von Weihnachten… Aber sobald mein aktueller Schwamm verbraucht ist, wird das Problem plötzlich wieder ganz akut. 🙂

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  8. Cordula

    Ich habe dieses Jahr zum ersten mal Luffa-Gurken ausgesät und 3 Pflanzen im Gewächshaus angepflanzt.
    Heute der erste Test bei einer ausgereiften Gurke.
    Habe sie geschält und beim Auswaschen total weiche Hände bekommen.
    Mein Mann musste das nächste Opfer werden. Maurer, arbeitet mit Kalk und Zement, ergo raue Hände. Er hat die Gurke ausgespült und an Händen und Armen gerubbelt. Er war begeistert, die Haut war weicher.
    Die nächste Luffagurke werde ich am Geschirr testen, habe ja einige an Vorrat.

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    • Fup

      Wow, das ist ja cool! Ich würde mich sehr über einen Bericht und ein paar Bilder freuen, schon aus ganz persönlichem Interesse.

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