So geht Alltagsrassismus

Enger Familienkreis. Ein Mensch, kurz vor der Rente, kleines Grundstück auf dem Dorf.

Und wie das eben so üblich ist, unterhält man sich über alles, was so im Dorf geschieht. Dort gibts Probleme mit dem Nachwuchs, das Mädel von Nachbars macht ein Auslandssemester in Brasilien, und der alte M. hat sich totgesoffen.

Tja, und es gab sogar ein paar Einbrüche in letzter Zeit. Bei Z.s wurde ein Fenster aufgehebelt, bei K.s gabs zum Glück nur Kratzspuren an der einen Tür, dort wurden die Diebe vermutlich gestört. Bei S.s wurde die Garage ausgeräumt. Was dabei auffällig war:

Es soll irgendwie nach… Zigeuner gerochen haben.


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Gedanken zur Klimakonferenz

Im Moment läuft in Paris die große Klimakonferenz. Wichtige Leute reden miteinander. Die Welt schaut gespannt zu und hofft auf ein gutes Ergebnis. Die Zeitungen berichten ein bissl, und es wird geredet, und geredet… Die ersten Ermüdungserscheinungen zeichnen sich ab.

Alles läuft wie immer. Die Amerikaner reden von roten Linien, die nicht überschritten werden dürfen, die Chinesen halten sich dezent zurück, und Polen macht erst gar keinen Hehl daraus, dass sie die Konferenz gern scheitern sehen würden. Die Wirtschaft muss doch brummen. Ohne Wirtschaft gehts doch nicht! Und dank der Anschläge in Paris konnten die Franzosen einen passenden Ausnahmezustand über drei Monate verhängen, sodass Demonstrationen verboten sind.

Ich frag mich da immer: Warum warten bloß alle darauf, dass die Politiker das richtig entscheiden werden? Das ist wie ein globales Mikadospiel: Wer zuerst zuckt, hat verloren. Diese ganze Konferenz ist nur eine Show, damit man hinterher sagen kann: „Wir wollten ja, aber die Russen / Amis / Chinesen / Inder haben geblockt.”
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Begegnungen

Vorletztes Wochenende bin ich mal wieder mit der Bahn in die Heimat gefahren. Und schelmisch, wie die Bahn eben manchmal ist, fiel der Anschlusszug von Elsterwerda Richtung Berlin ohne große Erklärung aus. Was für mich und einige andere Reisende aufgrund der mangelnden Informationen hauptsächlich nervig war, ist für Menschen, die kein Deutsch verstehen, absolut verwirrend. Und so lernte ich Hussam kennen: 28 Jahre, sympathisch, ruhig, syrischer Flüchtling – und konnte mal einen direkten Einblick in die ganze Flüchtlingsproblematik bekommen.

Jeder Flüchtling ist auch ein Schicksal

Hussam möchte Musik studieren. In Syrien hatte er schon so ein Studium angefangen, da er leidenschaftlich gern Klavier spielt. Bis er eingezogen werden sollte, um in Assads Armee zu kämpfen. Daraufhin ist er geflüchtet.
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Abituraufgabe Deutsch, Grundkurs

Ich habe einen schönen Vorschlag für eine Abituraufgabe in Deutsch, oder gern auch Politischer Bildung. Falls hier Lehrkräfte mitlesen: Ich stelle euch das gern zur Verfügung.

Europa erlebt momentan eine gewaltige Flüchtlingskrise.

  1. Nennen Sie fünf Fluchtgründe.
  2. Interpretieren und analysieren Sie das unten gezeigte Bild im Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingskrise. Gehen Sie besonders auf die abschätzig gemeinte Bezeichnung „Wirtschaftsflüchtling“ ein.
  3. Verdeutlichen Sie den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum in den Industrienationen und „Landverbrauch“ in der Dritten Welt.


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I plant a tree – das WordPress-Plugin

Ein gutes halbes Jahr ist es jetzt her, dass das Verrückte Huhn einen Beitrag zu CO2-neutralem Bloggen gebracht hat. In der anschließenden Diskussion haben sich die beiden Betreiberinnen dazu entschlossen, direkt bei iplantatree.org einen Baum zu pflanzen, um das CO2 für ihren Blog auszugleichen. Seitdem bin auch ich dort angemeldet und habe bereits 61 kg Kohlendioxid einsparen können. Bei geschätzten 0.02 bis 10g CO2 pro Seitenaufruf passt das für mein kleines Blog, denke ich.

Bei mir sind es inzwischen schon 8 Bäume, der Firmenaccount ist sogar schon auf 70 angewachsen, und die Partei konnte ich auch überreden – ab September wird es für jedes Neumitglied ein Bäumchen geben. Allerdings haben die Mädels da noch weitaus mehr angestoßen, als dass ich nur für ein paar Bäume gespendet hätte.
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Barfuß im Regen

Nach der extremen Trockenheit der vergangenen Wochen gibt es momentan in Sachsen heftigen Dauerregen.

Und ich liebe es.  🙂  Das Geräusch des Regens zum Einschlafen, die gelegentlichen Wärmegewitter (hier sagt man: es wupert!), und mit dem Fahrrad durch den Regen sausen, geschützt unter meinem Cape. Die Leute halten mich bestimmt ein bissl für bescheuert, wenn ich leicht irre grinsend durch das „Mistwetter“ düse, aber hey, was solls, ich hab auch eine Tigerentenhupe.

Aber das schönste am Dauerregen sind die Überschwemmungen im Großen Garten. Ich habe das Glück, jeden Tag auf dem Hin- und Rückweg vom Büro da durchzufahren. Und der Teil zwischen Zoo und Lennéplatz liegt tiefer als alles andere, das ist quasi eine große Mulde. Und wenn sich irgendwo Wasser sammelt, dann zuerst dort.

Es ist wunderschön, irgendwie unwirklich.
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Der dritte Weltkrieg

Ein Satz eines fernen Verwandten (nennen wir ihn W.) hat mich beim letzten Familienfest mal wieder mächtig aufgeregt. Und zwar hieß es sinngemäß in Bezug auf die letzte Dürreperiode hier:

Heutzutage ist ja immer gleich alles „Klimawandel”. Die Leute sollten das alles entspannter sehen, sowas gabs doch früher auch schon.

Ein Klimawandelleugner!? Ich dachte, die gäbe es nur bei den Amerikanern. Zumindest hatte ich in meinem Umfeld noch keinen persönlich getroffen.

Michael Ende hat schon vor mehr als 20 Jahren diese Notiz hinterlassen:

Immer wieder tauchte nach 1945 die Frage auf, ob es denkbar sei, daß es je zu einem dritten Weltkrieg kommen könne. Ich glaube, wir befinden uns schon mittendrin. Nur bemerkt es offenbar niemand, weil dieser Krieg nicht territorial, sondern zeitlich geführt wird. Wir haben einen erbarmungslosen Krieg gegen unsere eigenen Kinder und Enkel, gegen die kommenden Generationen, entfesselt. Wir werden ihnen eine verwüstete Welt hinterlassen, auf der das Leben für sie sehr schwer sein wird. Aber da sie ja nicht zurückschlagen können, fahren wir damit fort – wir können schon gar nicht mehr anders – und beruhigen unser Gewissen (sofern es nicht ganz zum Schweigen zu bringen ist) mit der Annahme, daß ihnen schon etwas einfallen wird, um unsere Gemeinheiten wiedergutzumachen.


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Gelatine als Nahrungs-TÜV

Die taz hat vor kurzem einen Artikel veröffentlicht: Gelatine als Nahrungs-TÜV. Die Idee: Einen intelligenten Nachfolger zum Mindesthaltbarkeitsdatum schaffen. Auf einen ersten, oberflächlichen Blick ist der Ansatz nicht dumm.

Ein intelligenter Aufkleber, der mit dem Produkt altert.

Die Deutschen schmeißen zu viel Essen weg. Schätzungen gehen von 25% aller gekauften Lebensmittel aus. Da sind Anstrengungen, genau das zu vermindern, eigentlich zu begrüßen.

Eine Londoner Designerin hat sich deswegen einen tollen neuen Aufkleber einfallen lassen. Gefüllt mit Gelatine, zeigt der Aufkleber beim Drüberstreichen, ob das Lebensmittel verdorben ist. Die Gelatine altert dabei mit dem Produkt – einen für Joghurt und Fleisch desaströsen Nachmittag im zu heißen Auto bildet die Idee genauso ab, wie eine vorbildliche Kühlkette.
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Dresdner Szenen

Da soll nochmal einer sagen, dass „vegan” nicht schon in der Mitte der Gesellschaft (wo auch immer das genau ist) angekommen wäre.

Vor kurzem in meinem Lieblingsbiomarkt: Ein Kind, vielleicht sieben Jahre, und furchtbar energiegeladen. Manch einer würde sagen: nervig. Es rennt von einem Regal zum anderen, entdeckt hier etwas, dann dort etwas, und immer lautstark im Kontakt mit der sichtlich müden Mutter. „Mama, kaufen wir das hier?”, „Mama kuck mal, das brauchen wir noch.”, und nach einem Blick in den Einkaufskorb: „Boah, Mama, hier sind ganz viele Pilze!”.

Das Ganze zieht sich bis zum Regal mit den Schokoaufstrichen. Das Kind greift ein großes Glas, hält es der Mutter hin, und ruft:

„Biiiiitte Mama, das is sogar vegaaaaaan…”

Und an der Stelle wäre ich als Mutter wahrscheinlich eingeknickt.  😀  Ich setze große Hoffnungen in die kommenden Generationen.

Nachhaltig sterben!

Na endlich! In Sachsen gibt es jetzt auch die Möglichkeit, sich, bzw. seine Reste, in einem sogenannten Friedwald bestatten zu lassen. Und zwar im Planitzwald, in der Nähe von Leipzig. Ein Wandertag dorthin steht ab sofort für dieses Jahr noch auf dem Plan.

Ein Friedwald ist eine Form der Naturbestattung. Man sucht sich einen schönen Baum aus, für sich allein oder geteilt mit ein paar anderen Urnen, und los gehts. Die Bäume sind meist mit kleinen Nummern markiert, damit Angehörige die Stelle finden können, sonst deutet nichts auf ein Grab hin. Alle Urnen sind vollständig abbaubar.

Selbst tot noch das Klima belasten?

Der Gedanke, dass ich selbst über meinen Tod hinaus noch den Planeten zerstöre, weil mein Grab eine Betonfassung braucht oder mein Sarg lackiert sein muss, gruselt mich. Kränze mit Steckmasse drin, Grablichter aus Erdöl? Künstliche Blumen, die schön lange halten, oder pseudo-religiöse Plastikengelchen? Der Ideenreichtum kennt bei der Erzeugung von Müll keine Grenzen.
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